Starke Porträtfotografie braucht Vertrauen – ein Porträt von Gary Barden
Starke Porträts entstehen manchmal nicht während eines aufwendig geplanten Fotoshootings.
Manchmal entstehen sie, weil sich Menschen schon lange kennen.
Dieses Porträt von Gary Barden,
dem legendären Sänger der Michael Schenker Group,
ist für mich genau so ein Bild.
Gary gehört zu den Stimmen, die einen wichtigen Teil der Geschichte des Hard Rock geprägt haben.
Für mich ist er allerdings mehr als nur der bekannte Musiker vor meiner Kamera.
Ich habe Gary über viele Jahre immer wieder getroffen.
Wir haben gemeinsam Musik gemacht,
und ich bin auf Produktionen zu hören, a
uf denen auch er mitgewirkt hat.
Diese gemeinsame Geschichte war vielleicht für das Foto mit entscheidend.
Ein intensives Porträt beginnt lange vor dem Fotografieren
Bei der Porträtfotografie wird häufig sehr viel über Technik gesprochen.
Welche Technik wurde verwendet?
Spielen diese Dinge wirklich eine Rolle?
Bei einem wirklich intensiven Porträt gibt es noch etwas,
das sich nicht über Kameraeinstellungen lösen lässt:
Vertrauen.
Ein Mensch verändert sich vor einer Kamera.
Sobald jemand weiß, dass er fotografiert wird,
entsteht häufig eine Art Schutzschild.
Die Körperhaltung verändert sich.
Der Gesichtsausdruck wird kontrollierter. Man versucht, „gut auszusehen“.
Gerade bei Menschen, die seit Jahrzehnten auf Bühnen stehen und
unzählige Male fotografiert wurden, ist dieses Bewusstsein für die Kamera besonders ausgeprägt.
Die Aufgabe eines Porträtfotografen besteht deshalb nicht nur darin,
das richtige Licht zu finden.
Es geht darum, einen Moment zu schaffen,
in dem dieses Bewusstsein für die Kamera für einen Augenblick verschwindet.
Gary Barden bei den Vocal Recordings
Die Gelegenheit für dieses Foto ergab sich während Vocal Recordings.
Eigentlich war dies kein klassischer Studiotermin für ein großes Porträtshooting.
Doch zwischen den Aufnahmen entstanden ein paar ruhige Minuten.
Und manchmal reichen genau diese Minuten.
Wir hatten die Möglichkeit, uns auf ein einziges Bild zu konzentrieren.
Die Augen und wenige Lichtreflexe bestimmen das Bild.
Alles andere wird unwichtig.
Genau diese Reduktion gibt dem Porträt seine Intensität.
Warum die Verbindung zwischen Fotograf und
porträtierter Person sichtbar wird
Ich glaube, dass ein Betrachter spürt,
ob zwischen einem Fotografen und der Person vor seiner Kamera eine Verbindung besteht.
Vielleicht kann man nicht genau sagen, woran es liegt.
Man sieht den Unterschied.
Gary musste mir gegenüber keine Rolle spielen.
Wir kannten uns bereits lange. Wir hatten gemeinsam gearbeitet und gemeinsam Musik gemacht.
Dadurch gab es bei diesem Shooting eine Ebene,
die man nicht kurzfristig herstellen kann.
Ich musste ihm nicht erklären, wer ich bin.
Und er musste mir nicht zeigen, wer Gary Barden ist.
Für ein Porträt ist das eine besondere Ausgangssituation.
Denn plötzlich geht es nicht mehr darum, ein Bild von einer bekannten Persönlichkeit zu machen.
Es geht darum, den Menschen dahinter für einen kurzen Moment sichtbar werden zu lassen.
Berühmte Persönlichkeiten anders porträtieren
Gerade bei bekannten Musikern, Künstlern, Schauspielern oder Unternehmern
besteht schnell die Versuchung, ihre Bekanntheit fotografisch besonders stark herauszustellen.
Ich finde häufig das Gegenteil interessanter.
Je bekannter ein Mensch ist, desto spannender wird für mich die Frage:
Was passiert, wenn wir für einen Moment alles weglassen, was diese Person öffentlich repräsentiert?
Keine Bühne – Keine Pose.
Nur ein Mensch vor der Kamera.
Das bedeutet nicht, dass ein Porträt vollständig ungeplant entsteht. Im Gegenteil.
Licht, Perspektive, Bildausschnitt und Timing müssen sehr bewusst eingesetzt werden.
Aber die Technik darf nicht zum eigentlichen Inhalt des Fotos werden.
Sie soll die Persönlichkeit unterstützen.
Die Augen entscheiden über ein Porträt
Bei diesem Bild von Gary sind es für mich vor allem die Augen.
Der Hut wirft einen tiefen Schatten über das Gesicht.
Große Teile des Bildes verschwinden im Schwarz.
Der Blick bleibt.
Ein solches Porträt funktioniert deshalb über Präsenz.
Und genau diese Präsenz lässt sich nicht erzwingen.
Als Fotograf kann ich nur die Voraussetzungen dafür schaffen.
Und ich kann im entscheidenden Moment auslösen.
Gute Porträtfotografie ist auch Menschenkenntnis
Das ist einer der Gründe,
warum ich Porträtfotografie weit weniger als rein technische Disziplin sehe.
Natürlich muss ein professioneller Fotograf seine Technik beherrschen.
Aber danach beginnt ein mindestens genauso wichtiger Teil der Arbeit.
Zuhören.
Situationen wahrnehmen.
Manche Menschen brauchen vor der Kamera Führung.
Andere brauchen Humor. Wieder andere müssen vergessen können, dass überhaupt fotografiert wird.
Gerade bei intensiven Charakterporträts kann Zurückhaltung die bessere Regie sein.
Vertrauen kann man nicht durch Technik ersetzen
Heute lassen sich fotografische Looks nahezu beliebig reproduzieren.
Lichtstimmungen können analysiert werden.
Bildlooks lassen sich nachbauen.
Kameras liefern eine technische Qualität, die vor einigen Jahren kaum vorstellbar gewesen wäre.
Was sich nicht kopieren lässt, ist die Beziehung zwischen zwei Menschen.
Genau deshalb wird dieser Teil der Porträtfotografie für mich immer wichtiger.
Ein starkes Portrait entsteht in dem kurzen Moment, in dem die Person vor der Kamera etwas von sich zeigt.
Bei Gary hatten wir dafür nur wenige ruhige Minuten.
Aber wir hatten etwas, das wesentlich wertvoller war als viel Zeit:
Wir hatten eine gemeinsame Geschichte.
Und vielleicht ist genau deshalb dieses Bild entstanden.
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